Gevatternabend von "Die Förderer" e.V.

Die Waffen bei der Landshuter Hochzeit

Der Gevatternabend, die regelmäßig stattfindende öffentliche Vortragsreihe vom Verein „Die Förderer“ e.V., stand Anfang Oktober ganz im Zeichen des Werkstoffes Stahl. Titel des Vortrages von Joachim Rogos, Gruppenführer der Ahlspießträger und damit auch für die Fechtschule auf der Burg verantwortlich, war „Mit Hieb und Stich - Die Waffen der Landshuter Hochzeit“.

Auch wenn die „Landshuter Hochzeit 1475“ vor allem ein Fest der Freude und der Musik war: Gleich zu Beginn seines Vortrags im Rudi-Wohlgemuth-Saal des Zeughauses stellte Rogos klar, dass Waffen und Landshuter Hochzeit keinen Widerspruch darstellten. Waffen waren – wenn auch nach strengen Regeln ihren Trägern des jeweiligen Standes zugeordnet – fester und alltäglicher Bestandteil des mittelalterlichen Lebens. Entsprechend trügen mindestens zehn der insgesamt 70 Gruppen der Aufführung der Landshuter Hochzeit die natürlich zu ihren Rollen passenden Waffen, so Rogos.

Anschaulich führte Rogos die weit über 100 Besucher des Gevatternabends nicht nur durch die unterschiedlichen Waffengattungen von der Armbrust über das Schwert bis hin zur Turnierlanze der Ritter, die zur Zeit der Landshuter Hochzeit üblich waren, sondern erläuterte auch die damals bereits technisch hochentwickelte und arbeitsteilige Konzeptionierung und Herstellung der Waffen.

Immer wieder wurden Waffen aus dem Fundus der Förderer präsentiert, darunter auch die Replik des Prunkschwertes von Kaiser Friedrich III., das der Verein nach dem in der Wiener Hof- und Rüstkammer ausgestellten Original anfertigen ließ und zur letzten Aufführung der Landshuter Hochzeit erstmalig präsentierte.

Rogos stellte immer wieder lebendige Querverbindungen zwischen den teilweise vielseitigen Einsatzzwecken unterschiedlicher Waffen her und erläuterte auch deren Weiterentwicklung vor dem Hintergrund sich verändernder Kriegsführung. Ein besonders prägnantes Beispiel sind hier die im ausgehenden Mittelalter aufkommenden, bis zu vier Meter langen Spieße, die sich hervorragend zur Reiterabwehr eigneten und wie sie etwa die Reisigen bei der Aufführung der Landshuter Hochzeit tragen.

Neuerungen sind auch in der im Veranstaltungskalender noch relativ jungen Fechtschule auf der Burg eher die Regel, als die Ausnahme. Selbstverständlich würden hier immer wieder Waffen und Techniken ausprobiert, wie sie in den Illustrationen des zur Zeit der „Landshuter Hochzeit 1475“ am Hof der Wittelsbacher tätigen Fechtmeisters Paulus Kal zu finden seien, so Rogos. Es sollte deshalb auch nicht verwundern, wenn irgendwann beispielsweise die im Mittelalter auch für Gerichtskämpfe üblichen, über mannshohen Stechschilde zur Aufführungsreife gelangen.

Ein interessantes, noch nicht vom Verein bearbeitetes Forschungsfeld sei für den Verein auch die Frage, welche Waffen 1475 die polnischen Begleiter der Braut getragen hätten, so Rogos.

In seinem Schlusswort meinte Dr. Ernst Pöschl, 1. Vorsitzender von „Die Förderer“ e.V.: „Wir haben heute gesehen, was auch einen großen Teil unserer Landshuter Hochzeit ausmacht: Das enorme Fachwissen eines großen Teils unserer Mitwirkenden. Im Falle des heutigen Themas geht das sogar so weit, dass einige Mitglieder der Fechter mittlerweile selbst ansehnliche Plattner und Waffenschmiede sind – und so nicht nur dem Verein weiterhelfen, sondern den in früheren Jahrhunderten sehr guten Ruf der Stadt Landshut als einer der Hauptstädte der Plattnerkunst wiederaufleben lassen. Unser Dank gilt auch unserem früheren Vorstandskollegen Ignaz Weinmayr. Er war es, der sich intensiv des Themas `Eisen bei der Landshuter Hochzeit` angenommen hat. Damit hat er in diesem Bereich den Grundstein auch für alles gelegt, was wir heute gehört haben.“

Joachim Rogos (2. von links) mit Dr. Ernst Pöschl und dem 2. Vorsitzenden der Förderer, Stefan Härtl im Kreise einiger Mitglieder der Fechtgruppe, die die Waffen präsentieren.
Die Hand am Schwert: Nach dem Vortrag hatten die Zuhörer die Gelegenheit, die zahlreichen präsentieren Waffen aus der Nähe zu begutachten

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