
Vertragsunterzeichnung in Radom
„Die Förderer“ leben aktiv den europäischen Gedanken
Vertragsunterzeichnung in der Stadt Radom – Joculatores und Fahnenwerfer begeistern Polen bei Stadtfest
Mitglieder des Vereins „Die Förderer“, die die „Landshuter Hochzeit 1475“ veranstalten, waren im Juni 2010 für drei Tage auf Reisen – in Radom, der polnischen Stadt, in der laut Urkunde am 31. Dezember 1474 die Heiratsurkunde besiegelt wurde: Damit stand einer Reise der polnischen Königstochter Hedwig nach Landshut zu dem Verlobten Herzog Georg dem Reichen, nichts mehr im Wege. Die Braut zog im Herbst 1475 nach Landshut und kam, so die Quellen, im November 1475 an – die Landshuter Hochzeit wurde groß gefeiert. Der Verein „Die Förderer“ hat sich dieses historischen Ereignisses angenommen – seit 1903 gibt es das Nach-Feiern des bedeutenden Ereignisses.
Eine Gruppe engagierter Historiker und Geschichtsfreunde sowie Politiker der Stadt Radom – zwischen Warschau und Krakau gelegen und 250.000 Einwohner groß – hat sich nun zusammen getan, einen Verein „Anno Domini 1474“ ins Leben gerufen. Das Ziel ist ehrgeizig: Die Polen planen die Durchführung einer großen historischen Veranstaltung, die „Die Radomer Verlobung“ heißen soll. Schon 2008 wurden erste Kontakte nach Landshut geknüpft, 2009 besuchten die Radomer die Aufführung der Landshuter Hochzeit und zeigten sich sehr beeindruckt. Aus Anlass des 650-jährigen Jubiläums der Stadtkapelle in Radom kamen nun Mitglieder der „Förderer“ – die Gruppe der Joculatores und die Gruppe der Fahnenwerfer, die angeführt wurden von den Vorstandsmitgliedern Ursula Wohlgemuth, Dr. Klaus Timmer und Prof. Dr. Gabriele Goderbauer-Marchner – nach Radom.
Unter größtem Jubel traten beide Gruppen in Kostümen auf dem Stadtplatz vor der Stadtpfarrkirche und auf dem historischen Marktplatz auf. Herzlich begrüßte der Präsident Radoms Andrzej Kosztowniak die Gäste aus Landshut. Zugleich konnten sich die Landshuter „Hochzeiter“ von der großen historischen Ernsthaftigkeit der polnischen Freunde überzeugen, deren Jugend ein mittelalterliches Theaterstück mit dem Titel „Jahrmarkt der Wunder“ unter freiem Himmel zeigte. Die Grüße der Stadt Landshut und des Oberbürgermeisters Hans Rampf überbrachte in Vertretung Stadträtin Prof. Dr. Gabriele Goderbauer-Marchner, die auch als Mitglied des Kultursenats die Bedeutung der Landshuter Hochzeit 1475 betonte und den geplanten Austausch beider Vereine begrüßte, die beide wesentlich beitragen, das Geschichtsbewusstsein in der jeweiligen Stadt zu stärken.
Radom ist eine Stadt, in der sich seit einigen Jahren viel tut – alte Häuser werden liebevoll restauriert, die Kirche ebenso, Straßenzüge präsentieren noch Reste der alten Stadtmauer. Höhepunkte der Reise waren neben den bewunderten Auftritten der sportlichen Fahnenwerfer und der mitreißenden Musik und dem Gesang der Gruppe der Joculatores die Übergabe einer Urkunde zwischen beiden Vereinen, dem Landshuter Verein „Die Förderer“ und dem Radomer Verein „Anno Domini 1474“. Im Namen des Förderer-Vorsitzenden Dr. Ernst Pöschl bekundeten die drei Vorstandsmitglieder gegenüber dem 1. Vorsitzenden des polnischen Vereins, Robert Mrozowski, und im Beisein des stv. Oberbürgermeisters und Stadträtin Agatha Morgan.
Was ist geplant? Beide Vereine wollen, so die Vereinbarung, „entsprechend dem europäischen Gedanken im Sinne der Völkerverständigung und insbesondere einer weiteren Aussöhnung zwischen den beiden Ländern Polen und Deutschland und zum gegenseitigen Wohl ihren Beitrag durch künftige Zusammenarbeit“leisten, beginnt der unterzeichnete Text im Wortlaut. Feierlich bekundeten die Vertreter beider Vereine, künftig in ihrem jeweiligen Land die historischen Quellen für beide historische Ereignisse, die Radomer Verlobung und die anschließende Landshuter Hochzeit, zu erforschen, auszutauschen und sich wechselseitig zur Verfügung zu stellen. Da die Förderer aus Landshut bereits auf eine über hundertjährige Vereinsgeschichte mit größtem Bewusstsein für historische Authentizität blicken, werden sie den Radomern beratend zur Seite stehen. Dass jeder Verein „seine“ Veranstaltung eigenständig und ohne eine Beteiligung des jeweils anderen Vereins durchführt, wurde ebenso vereinbart wie, dass man zwischen den Aufführungsjahren einen Austausch von teilnehmenden Gruppen anstrebe. So waren denn auch die Reise und der Auftritt zweier Gruppen, der Joculatores und der Fahnenwerfer, ein weiterer Stein in dem Ziel des Austausches, nachdem schon 2008 im Herbst die Joculatores als erste Gruppe der Landshuter Hochzeit in Radom bei einem Auftritt den Oberbürgermeister und seine vier Stellvertreter, die Bürger und die Gründungsmitglieder des Vereins Anno Domini 1474 fasziniert hatten. Im Mittelpunkt allen Strebens stehe, dies verdeutlichten auch Dr. Pöschl und Robert Mrozowski von Anfang an, die unbedingte Historientreue.
Bilder vom Besuch in der Galerie
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September 2010 | |
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